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am 8. Juli

Voglauer/Blimlinger: Widerstand gegen das NS-Gewaltregime im Kärntner Geschichtsnarrativ entsprechend würdigen

Olga Voglauer, Eva Blimlinger - Grüne begrüßen Initiative für eine offene und diverse Erinnerungskultur am Klagenfurter Domplatz

„Wir freuen uns, dass einem vielschichtigen Blick auf unsere Landesgeschichte in Zukunft am Domplatz mehr Raum gegeben werden soll. Denn die Geschichte Kärntens ist zweifelsohne komplex. Das gilt in besonderem Maße auch für den Klagenfurter Domplatz“, freuen sich Olga Voglauer und Eva Blimlinger, Sprecherinnen für Gedenkkultur der Grünen, über die neu ins Leben gerufene zivilgesellschaftliche Initiative zur Neugestaltung des Domplatzes. 

Morgen Freitag möchte die Initiative „Koroška/Kärnten gemeinsam erinnern/skupno ohranimo spomin«, unter dem Motto »Svobodni! Befreit! Ein Fest dem Widerstand/Praznujmo upor« ein eindrucksvolles Zeichen am Klagenfurter Domplatz setzen. Die Initiative besteht aus engagierten Personen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen, wie Bildung, Wissenschaft und Kunst. Am Programm stehen neben einer Dankesandacht für den Widerstand und die Befreiung vom NS-Regime auch ein Fest dem Widerstand. 

Historiker*innen belegen den Domplatz als geschichtsträchtigen Ort: Im 1. Weltkrieg erfolgten hier Hinrichtungen, während beider Weltkriege wurden Deserteure und Wehrmachtsverweigerer interniert und verurteilt. Im Juli 1945 wurden die zwangsweise nach Deutschland ausgesiedelten Kärntner-slowenischen Familien in der Jesuitenkaserne am Domplatz neuerlich interniert, bevor sie endlich in ihre Häuser zurückkehren konnten. Anerkannte Historiker*innen kritisieren seit langem, dass etwa der historische Aspekt des Widerstands gegen das NS-Unrechtsregime am Domplatz in keinster Weise gewürdigt wird. Sie betonen, dass es eine offene Erinnerungskultur braucht, damit die vielschichtige Geschichte Kärntens nicht bloß hegemonial gedeutet wird. 

„Gerade der slowenischen Volksgruppe, die sich besonders aktiv im organisierten Widerstand gegen das NS-Unrecht engagierte, wurde jahrzehntelange die Legitimation abgesprochen, die Geschichte im öffentlichen Raum auch aus ihrer Sicht darzustellen“, erläutert Voglauer. Die Sprecherinnen für Gedenkkultur der Grünen fordern Raum für verschiedene Erzählungen und Sichtweisen auf die Geschichte am Domplatz und auf die Geschichte in Kärnten/Koroška insgesamt. „Wir befürworten das Abstandnehmen von der bisherigen einseitigen und stark verkürzenden Darstellung der historischen Ereignisse. Es soll nichts zugedeckt werden, gleichzeitig muss es aber möglich sein, dass verschiedene Erinnerungen am Domplatz Erwähnung finden“, unterstreichen Voglauer und Blimlinger. Sie wünschen sich, dass der zentrale Platz in der Klagenfurter Innenstadt „zu einem Ort der Begegnung und des inklusiven Erinnerns wird, damit wir aus unserer Vergangenheit auch Lehren für die Gegenwart ziehen können.“